Stil System Methoden

Ein Seminar zu ästhetischen Positionen und programmierter Typografie: In diesem Semester werden wir in einer Kurskombination von Theorie & Technologie & Design auf eine Forschungsreise gehen. Gleich zu Beginn des Semesters haben wir uns von John Cage inspirieren lassen: Plakate zur ‹Komposition im Rückblick›.

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Wir werden philosophische und designtheoretische Positionen von den 60er Jahren bis in die Gegenwart (John Cage, Georges Perec und Oulipo, Karl Gerstner, Studio Moniere …) diskutieren und daraus unsere typografisch-grafischen Gestaltungsexperimente ableiten. Unser Ziel ist es, unser Bewusstsein für (typografisch-) gestalterische Systeme zu schärfen und unser Gestaltungsrepertoire zu erweitern.

Nicht nur Mathematiker, Musiker oder Philosophen interessieren sich seit jeher für Systeme, sondern auch wir als Designer: Ist es möglich, individuelle gestalterische Ideen (Kreativität) in ein systemisches Verfahren (automatisierte Gestaltungsprozesse) zu überführen? Nach welchen Regeln und Prinzipien bilden einzelne Elemente ein geordnetes Ganzes? Ist es möglich, diese Prinzipien zu beeinflussen und im gestalterischen Prozess nutzbar zu machen? Wie verhalten sich System und Gestaltung zueinander? Kann ein Plakat wirklich mit einem Knopfdruck entstehen?

Team: Cristina, Lopez Gonzalez, Magdalena Kreps, Lucas Kramer, Dennis Gusko, Anna Heinrich, Pia Schröer, Katharina Spegel, Natalie Forster, Sofia Star, Darius Vaheb, Anne Richter, Malena Sell, Thomas Stempel, Ledün Özdemir, Luca Candotti, Elisaveta Liubcenco, Johanna Kunkel, Jens Schnitzler, Linda Rammes, Milena Bolland, Dorothée Schraudner, Lukas Siemoneit, Martin Rosenthal, Jannik Schießwohl, Insa Wagner, Felix Hartig, Artur Parutkin, Sarah Piel, Andrea Sachau, Leon Saß, Ottilie Karrer

Design: Prof. Heike Grebin
Theorie: Prof. Dr. Timo Ogrzal
Technologie: Timo Rychert

HAW Hamburg, Department Design

Rundgang 2015

Es war irgendwie ein Wunder, dass wir nach den Stilvorlagen noch solch einen grandiosen Jahresabschluss hingelegt haben. Typografie und Editorial Design haben wir wieder zusammengelegt & alle Räume auf den Kopf gestellt – eine echte «Hall of Fame»!

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HAW Hamburg, Department Design, Rundgang 16. bis 18. Juli 2015
Konzeption und Koordinierung: Juliane Maurer, Dominik Gauly, Muriel Schmitz, Phillip Peters, Paul Rutrecht
Betreuung: Prof. Heike Grebin, Prof. Stefan Stefanescu

Stilvorlagen #9 : Jeremy Abbett

Am 29. April sorgte Jeremy Abbett für einen fulminanten Start der Stilvorlagen #9 – mit einem vollen Saal erwartungsvoller Gäste. «It’s a great time to be a Designer!» – so lautete die enthusiastische Aussage des Abends, die das gesamte Publikum mitgerissen hat.

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Seine lockere und humorvolle Art fesselte alle Anwesenden, die seinen Gedanken zum «Physical Computing» folgten und sich von seinem Rat, alles auszuprobieren, um sich von den Möglichkeiten beflügeln zu lassen, inspirieren ließen: Bleibt neugierig, probiert neue Dinge aus und zeigt der Welt selbstbewusst die Experimente!

Vom 29.April zum 17.Juni werden an fünf Abenden unsere eingeladenen Gäste Vorträge halten und mit uns zum Thema „Umbruch“ die sich wandelnde Rolle des Gestalters in einer sich digitalisierenden Welt diskutieren. In diesem Sommer sind zum ersten Mal auch Masterstudierende auf unserer Bühne:

29. 4. Jeremy Abbett
13. 5. Constant Dullaart
27. 5. Thomas Castro
03. 6. Masterpieces – outstanding student projects
17. 6. Remco van Bladel

Die Veranstaltungen werden von Studierenden gestaltet und organisiert. Sie finden jeweils um 19 Uhr im Forum Finkenau auf dem Kunst- und Mediencampus, Finkenau 35, 22081 Hamburg statt.

Stilvorlagen #9
HAW Hamburg, Department Design, Sommersemester 2015
Leitung: Prof. Heike Grebin, Hannah Bauhoff

Start: Stilvorlagen #9

Unsere Vortragsreihe zu Design und Gesellschaft geht in eine neue Runde. Das Erscheinungsbild für die Stilvorlagen #9 ist gestaltet, die Website auf dem aktuellen Stand, die Presse informiert:

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Vom 29.April zum 17.Juni werden an fünf Abenden unsere eingeladenen Gäste Vorträge halten und mit uns zum Thema „Umbruch“ die sich wandelnde Rolle des Gestalters in einer sich digitalisierenden Welt diskutieren. In diesem Sommer sind zum ersten Mal auch Masterstudierende auf unserer Bühne:

29. 4. Jeremy Abbett
13. 5. Constant Dullaart
27. 5. Thomas Castro
03. 6. Masterpieces – outstanding student projects
17. 6. Remco van Bladel

Die Veranstaltungen werden von Studierenden gestaltet und organisiert. Sie finden jeweils um 19 Uhr im Forum Finkenau auf dem Kunst- und Mediencampus, Finkenau 35, 22081 Hamburg statt.

«Stilvorlagen #9»
HAW Hamburg, Department Design, Sommersemester 2015
Leitung: Prof. Heike Grebin, Hannah Bauhoff

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Stilvorlagen/style sheets

Our lecture series on design and society starts once again. The corporate design for Stilvorlagen #9 is designed, die website is up to date, the press is informed:

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From April 29th to June 17th our guests will talk at five evenings. We will discuss designers’ changing roles in an era of advancing digitalization under the motto »Umbruch« [fundamental change]. This summer for the first time MA students will offer an insight into »digital natives’« work methods.

29. 4. Jeremy Abbett
13. 5. Constant Dullaart
27. 5. Thomas Castro
03. 6. Masterpieces – outstanding student projects
17. 6. Remco van Bladel

The lectures will be conceived and organized by the students and start at 19 clock at the Forum Finkenau on the Art- and Mediacampus, Finkenau 35, 22081 Hamburg.

«Stilvorlagen #9»
HAW Hamburg, Department Design, Summersemester 2015
Advisors: Prof. Heike Grebin, Hannah Bauhoff

The holy place of Isotype

A dream came true – I’ve been to the holy place of typography: Reading/UK! I visted the amazing archive and the impressive collection of Isotype. I am very grateful to Gerry Leonidas and Eric Kindel for the warm welcome. hg

Ausstellung: Stil System Medien

Im März 2014 gab es eine tolle Ausstellung im Island Hamburg! Wie kann eine individuelle gestalterische Idee in ein systematisches Verfahren überführt werden?

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Die Studierenden präsentierten ihre Arbeiten aus dem Seminar «Stil System Medien» zum kreativen Prozess in Form von Büchern, Plakaten und digitalen Anwendungen.

«Stil System Medien»
HAW Hamburg, Department Design, Wintersemester 2013
Betreuung: Prof. Heike Grebin und Dr. Timo OgrzalAusstellung im Island Hamburg, März 2014
Koordination: Eva Mitschke, Lynn Dohrmann, Sarah Schögler, Jan Ploch
Fotos: Jörn Auf dem Kampe

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Exhibition: Stil System Medien

In March 2014 there was a great exhibition at the Island Hamburg! How can an individual idea of design be transferred into a systematic process?
The students presented their works on the creative process from the “Stil System Medien” seminar in the form of books, posters and digital applications.

«Stil System Medien»
HAW Hamburg, Department Design, Wintersemester 2013
Advisors: Prof Heike Grebin und Dr. Timo Ogrzal
Photos: Paul Rutrecht

Warum fotografieren?

Vortrag von Andreas Trogisch an der Universität Siegen, veröffentlicht in der Hochschulpublikation «Intervention VI»

Warum fotografieren? Warum nicht etwas anderes machen: malen beispielsweise? Warum fotografieren, wenn es keinen Auftraggeber und keinen Abnehmer für die Bilder gibt? Warum fotografieren, wenn anscheinend doch schon alles fotografiert ist? Wenn eine Bilddatenbank damit wirbt, dass sie 10.000 neue Bilder hat – und zwar täglich – das Stück zu 21 Cent?

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Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit hat sich um eine Dimension erweitert: Es werden nicht mehr massenhaft Kopien eines Motivs verbreitet, sondern die Motive selbst werden systematisch und großindustriell erzeugt. Wozu also noch mehr Zeit und Material verschwenden und noch mehr Bilder herstellen? – Natürlich werden immer Fotos gebraucht werden; wovon ich hier reden will, meint aber nur einen winzigen Ausschnitt aus dieser Bildproduktion, nämlich die sogenannte „Kunstfotografie“, die für sich aber auch schon riesige Bilderberge angehäuft hat.

In einem fühle ich mich wie alle Menschen mit einem Fotoapparat: Der Impuls, zur Kamera zu greifen, wenn irgendetwas geschieht, scheint tief in uns verwurzelt zu sein, so als wäre die Massenfotografie zwar erst vor hundert Jahren ans Licht getreten, aber schon immer im menschlichen Genom angelegt gewesen. Es ist ja schon alles fotografiert worden, aber jeder will es noch einmal fotografieren, nur für sich selbst und da es so einfach ist, tut er es auch. Jeder will SEIN EIGENES Bild haben, sich ein eigenes Bild MACHEN. Das ist nahe an den Basisaffekten des Menschen allgemein: Jeder hat für sich alleine seinen eigenen Hunger, seinen eigenen Liebeskummer, sein eigenes Fern- und Heimweh, und jeder hat ein Recht auf einen Ausdruck für diese Gefühle. Interessant ist es zu untersuchen, was mit diesen Bildern nach ihrer Anfertigung geschieht: werden sie einfach nur weggespeichert und dann vergessen?

Verhält es sich aber tatsächlich so, dass man es „nur für sich selbst” noch einmal fotografiert? Ist ein Bild nicht auch ein Kommunikationsmittel? Kann es sein, dass ich mir sage: das muss ich dem oder der oder einfach nur irgendwem zeigen – wem in der Familie will ich mitteilen, wie die Weihnachtsbescherung war, wo doch alle dabei waren? Oder geht es vielleicht um die Erinnerung, das Festhalten eines Augenblicks, der eine Bedeutung hat (oder dem wir eine wünschen)? Warum riskiert man, dass diese wertvollen Augenblicke nicht das nächste Systemupdate überleben? Lässt sie auf veraltenden Speichermedien liegen, bis es keine Lesegeräte mehr dafür gibt? Geht damit noch achtloser um als meine Mutter, die das Wenige an Bildern, was der Familie nach der Flucht aus Königsberg, Ostpreußen, noch übrigblieb, ungeordnet in einem Schuhkarton aufbewahrt? Diese Bilder – weil auf Papier – sind aber auch nach neunzig Jahren noch ohne irgendwelche Hilfsmittel ansehbar. Die heutigen verschwinden vielleicht so schnell und schmerzlos wieder, wie sie gemacht wurden.

Aber kaum habe ich diese Impulsverwandschaft festgestellt, fangen auch schon die Unterschiede an. Zum Einen bin ich noch nie in der Lage gewesen, ein zufriedenstellendes Erinnerungsfoto zu machen, weder ein Porträt noch eine soziale Situation, weder eine Landschaft noch ein Interieur. Immer fehlt etwas, was auf solchen Bildern das Wichtige ist; die Menschen, die mich um derartige Bilder bitten, sind regelmäßig enttäuscht. Warum das so ist, hat damit zu tun, dass wichtige Sachen nicht immer wichtig aussehen und andererseits im Unwichtigen sich etwas Wichtiges visualisieren kann. Auf diese Glücksmomente bin ich angewiesen – mit den Worten von Robert Adams: „Useful Pictures don’t start from ideas. They start from seeing.“

Zum Anderen ist es der Anspruch an die Dauerhaftigkeit der Bilder: Ein Bild ist erst dann ein Bild, wenn es sich materialisiert hat, wenn es ein Gegenstand geworden ist, „wenn man es an die Wand hängen kann“.

Und zu guter Letzt: Ich reagiere nicht nur bewusst auf die Bilder, die vor der Kamera sind, sondern auch auf die, die dahinter, in meinem Kopf sind: Alles, was ich jemals an Fotos gesehen habe, bestimmt die Form eines neuen Bildes mit – als Kommentar, als Bestätigung, als Antithese, als Parodie. Damit bin ich nahe an dem, was die Fotografie ausmacht – so wie Ernst Gombrich Heinrich Wöfflin mit dem Satz zitiert: „Jedes Bild verdankt anderen Bildern mehr als der Natur.“ In der Malerei ist es relativ offensichtlich, wie sich die Ansammlung von Bildwissen im Laufe der Zeit vollzieht. In der Fotografie ist das nicht so leicht sichtbar, weil die angebliche Naturtreue der Wiedergabe das Haupthindernis zur Erkenntnis des eigentlichen Wesens einer Fotografie ist. Es geht im Grunde um das Abbilden von Gegenständen und Sachverhalten, die andere schon längst entdeckt haben, mit Methoden und Geräten, die technisch definiert sind, um Bilder zu erhalten, die sich an anderen Bildern orientieren, die sich wiederum an Bildern aus anderen Medien orientiert haben. Mit anderen Worten, denen von Vilem Flusser: der Fotograf wird zum Funktionär seiner Kamera und führt in den allermeisten Fällen nur das Programm seines von der Fotoindustrie programmierten Apparates aus.

Lisette Model beklagte dies treffend, aber ungerecht, als sie anmerkte, das jeder zeitgenössische Fotograf (das war Anfang der 80er Jahre) angebe, „Menschen“ zu fotografieren, aber dabei nur Bilder reproduziere, die andere schon von Menschen gemacht hätten. Den wirklichen Menschen würden sie gar nicht betrachten. Das ist ebenso so richtig wie falsch. Einerseits fordert es die aufrichtige Beschäftigung mit der Wirklichkeit. Andererseits behauptet aber dies die Möglichkeit, die „Außenwelt“ unverdorben und unvoreingenommen wahrnehmen zu können, was aber niemand leisten kann. Ohne die Bilder, mit denen jeder Mensch aufwächst, hätte er überhaupt kein Sensorium für die Wahrnehmung der Welt, wäre also unfähig zur Erzeugung von Bildern. Natürlich ist es wahr, dass Bilder nicht nur aus Bildern produziert werden sollten. Fotografie ist aber von Natur aus zitierend, das heisst sie kommt nicht ohne ein Motiv vor der Kamera und nicht ohne eine Bildvorstellung hinter der Kamera aus.

Fotografie ist schwerer als andere Künste als „Schöpfung“ zu erkennen, weil ihre Eigenschaft als „Abbildung“ dies zu stark verdeckt. Die Gegenständlichkeit ist das größte Hindernis bei der Betrachtung von Fotos: Es ist wie mit den sogenannten „falschen Freunden“, mit denen Dolmetscher zu kämpfen haben, wenn sie in amerikanischen Filmen hartnäckig „fishing“ mit „Fischen“ statt mit „Angeln“ übersetzen – die Ähnlichkeit der Wörter täuscht darüber hinweg, dass sie jeweils Unterschiedliches bedeuten. In diesem Sinne ist etwa Egglestons Foto eines Dreirades eben etwas anderes als nur ein Foto von einem Dreirad.

Im Gegensatz zu Gemälden kann man fotografische Bilder nicht ohne weiteres kopieren. Man kann ein Foto abfotografieren – was absurderweise laut Urhebergesetz eine eigene neue schützenswerte Schöpfung darstellt. Aber eine Fotografie nach einer Fotografie wirklich neu zu erschaffen, ist nahezu unmöglich. Trotzdem wird es immer wieder versucht, und zwar in einem produktiven Sinne. Es ist die Transzendenz des alten Meister-Schüler-Prinzips: Versuche, genau so ein Foto wie dieses hier zu machen, und du wirst sehen, dass es nicht geht. Das, was vom Vorbild abweicht, bist du, ist dein Stil, ist deine Zeit. Trotz allem Bestehen auf Individualität und Freiheit geben alle großen Fotografen unumwunden zu, von anderen beeindruckt und beeinflusst zu sein. So kann man die Geschichte vor- und zurücksurfen: zum Beispiel von Atget zu Walker Evans zu Robert Frank zu Ralph Gibson und von dort wieder zurück über Bill Brandt und Man Ray zu Atget.

Oft geht es dabei nur um eine spezielle Form von Energie, die das Werk der Vorbilder durchzieht. Diese Intensität ist die Norm, hinter die man als Nachgeborener nicht zurückfallen darf. Motive pflanzen sich genauso fort wie Sehweisen und werden Teil des allgemeinen Bildgedächtnisses und entwickeln sich in jeder Wiederkehr weiter. Aber immer geht es um den Anspruch, aus dem Programm auszubrechen, das in die Apparate, die Verfahren, die Erwartungen eingeschrieben ist und uns dazu anhalten will, das vorgezeichnete Universum der fotografischen Bilder vollständig auszutapezieren.

Kann Fotografie die Welt verändern? Sie kann, und zwar weil sie die Art verändert, wie wir die Welt sehen.
Wenn Fotografie etwas wirklich Wertvolles leisten kann, dann ist es Subversion: nicht in die Richtung zu sehen, in die alle zeigen.

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